Nomade wider Willen – Trako on Tour lernt mal wieder

Eigentlich bin ich ja kein digitaler Nomade, aber vor ein paar Wochen dann doch irgendwie schon für rund zwei Monate. Ihr könnt das Thema wahrscheinlich eh nicht mehr ausstehen, also reite ich da mal nicht zu lange drauf rum.

Kurz und knackig vorab:
Mitte Januar ging es für mich auf eine eigentlich zweiwöchige Dienstreise, die sich dann doch auf 9 Wochen mit kleineren Unterbrechungen ausgedehnt hat.
Ich hatte dieses Post irgendwann mittendrin angefangen und schreibe ihn dann jetzt rund 3 Wochen nach Ende der Reiserei endlich mal zuende… seht mir eventuelle „Brüche“ also bitte nach, die Wochen waren ungewohnt und auch anstrengend.

Ich sollte euch vielleicht mal diese „Gelegenheit ins Leben eines DigiNomaden reinzuschnuppern“ erläutern.
Wer mir etwas näher steht als der durchschnittliche Blog-Leser (okay, ein „Hardcore-Blogger“ hätte euch diese folgenden Infos wahrscheinlich schon lange mitgegeben) weiß, dass ich seit einiger Zeit nicht mehr in meiner gewohnten Arbeitsumgebung bin.
Mitte Januar ging ich dann endlich auf die schon seit gut einem Jahr anstehende Dienstreise zu meinen Kollegen in Erfurt, um da mal ein wenig Wissen über den gemeinsamen Kunden und dessen IT-Landschaft zu vermitteln. Angesetzt waren dafür zwei Wochen, draus geworden ist eigentlich nur eine. Trotzdem bin ich seitdem mehr in Hotelzimmern als zu Hause.
Zur Mitte der Woche kam ein Kollege auf mich zu und bat mich um ein paar Vorlagen aus einem alten gemeinsamen Projekt. Nichts leichter als das; IT-Messy der ich bin, hatte ich die Sachen recht schnell parat. Aus dieser einfachen Unterstützung wurde dann aber am Tag darauf ein „Wir könnten Dich in dem Projekt gut brauchen, wie sieht es aus? Lust drauf?“
Mein Chef war natürlich auch direkt greifbar und so kam es, dass ich von einem auf den anderen Tag in ein neues Projekt gesetzt wurde.

Statt dann also die zweite Woche in Erfurt zu verbringen, fuhr ich am folgenden Montag ins niederbayerische Deggendorf, um das neue Projekt praktisch zu starten und das Team kennenzulernen.
Das war dann Hotel 2, das ich kennenlernen durfte.
Deggendorf waren nur drei Tage, danach ging es nochmal kurz zurück ins alte Projekt, alles an Themen übergeben und erstmal vorsichtshalber den Arbeitsplatz räumen. Die Rede war zwar von „erstmal nur vier Wochen“, aber dieses „erstmal“ ließ mich schon vorsichtig werden.

Woche 3, Arbeitsort 3…
Köln. Genauer gesagt der südwestliche Rand. Aber nicht Hotel 3, da ich jeden Tag gependelt bin. Mein Rat: Nicht nachmachen! Jeden Tag 4 Stunden auf der Autobahn plus 8 Stunden Arbeit gehen selbst nach einer Woche schon an die Substanz.

Woche 4, Ort 4, Hotel 3… Aachen
Schöne Stadt, solange man nicht Auto fahren will oder muss. Ehrlich, ich habe selten autofeindlichere Städte erlebt. Oder ich war es einfach nicht mehr gewohnt.

Wochen 5 und 6, immer noch Ort 4 aber Hotel 4
So langsam reicht es… ich will mal wieder länger als ein Wochenende im eigenen Bett schlafen und meine Familie etwas öfter nerven. Aber das Hotel taugt wenigstens was.

Morgen startet dann meine 7. Woche auf Achse, Ort 4, zurück in Hotel 3…
(Hier muss ich leider den Bruch drin lassen und aus der Retrospektive weiterschreiben.)
Hotel 3b, also gleiches Hotel aber ein anderes Zimmer, war ganz okay. Die Reisemüdigkeit setzte so langsam ein und zog meine Laune in den Keller. Nicht schön, aber man konnte damit klarkommen.
Am schlimmsten war wohl, dass ich genau 1, ja eine einzige, Steckdose im Zimmer hatte, die nicht mit einem Gerät fest belegt war. Die Suche nach einer Mehrfachsteckdose ist im Hotel übrigens schwieriger als ein Leihladegerät für ein Handy zu bekommen.

Woche 8, Ort 4, Hotel 5
Mal wieder ein Ibis. Luftsprünge habe ich keine gemacht, aber ich muss gestehen, dass ich zumindest mit den Betten in Ibis-Häusern bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Da scheint sich jemand zu kümmern.
Großer Vorteil an dem Haus: Dank Innenstadtlage (direkt am Hauptbahnhof) hat der Laden ein eigenes Parkhaus. Kostet zwar 7 Euro pro Tag, aber das ist es mir wert gewesen und ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden.

Woche 9, Ort 4, Hotel… 3c
„Irgendwie komme ich mir schon wie ein Stammgast vor.“
Dafür gab es aber auch Zimmerkategorie Besenkammer und Bett-Qualität Hängematte. Heizung? Fehlanzeige… Die erste Nacht habe ich also im Kühlschrank verbracht.
Nächte 2 und 4 hatten dann noch mal ein ganz besonderes „Geschmäckle“. Zwei Gruppen mit jeweils rund 30 Leuten aus internationalen Messebesuchern wurden auf meiner Etage untergebracht. Nach 22 Uhr ist so eine wilde Horde Zimmersuchender mit Rollkoffern ein echtes Erlebnis.

 

Was habe ich gelernt und wie könnte euch das nützen?

Nun, eines habe ich auf jeden Fall gelernt: Koffer packen.
Ich habe bis zur Erfurt-Woche jahre- oder eher jahrzehntelang nicht einmal einen Koffer besessen. Es war einfach kein Bedarf da. Und demnach auch null Erfahrung, was das korrekte Packen oder überhaupt das Einschätzen des Bedarfs angeht. Für Erfurt hatte ich noch den Koffer randvoll gepackt (unter anderem die Spiegelreflexkamera, da Erfurt ein paar durchaus gute Fotomotive geboten hätte), meinen Tagesrucksack und eine Laptoptasche. Kurz und knackig: Viel zu viel!
Deggendorf war das krasse Gegenteil: Nur der Rucksack und die Laptoptasche. Klar, es waren ja nur zwei Tage. Der Rucksack war allerdings so soll, dass er beinahe geplatzt wäre. Gepäckmenge genau richtig, aber völlig falsche Wahl der Transportart.
Mittlerweile habe ich den Rucksack mit immer noch mehr IT-Kram als ich brauche und den halben Koffer. Fertig, passt.
Betrachtet also, wenn euch sowas bevorsteht, euren „alltäglichen Bedarf“ und die „Nice to have“-Sachen kritisch! Je mehr ihr mitnehmt, desto mehr ärgert ihr euch, wenn es dann doch umsonst war.

WLAN ist ein Grundbedürfnis! (zumindest für manche)
Auch so eine Lektion, die man erst mit Erfahrung lernt. Ich hatte von Anfang an Probleme mit den Anbindungen. In Erfurt war das WLAN im Hotel schon sehr dürftig, Deggendorf ging, Aachen 1 war okay, Aachen 2 schon fast gut. Aber: Ohne den Datentarif vom Smartphone wäre ich reichlich aufgeschmissen gewesen.
Zwei Browsertabs parallel laden zu lassen war in allen Hotels nicht drin. Denkt nicht, nur weil ein Hotel WLAN anbietet, könnte man damit arbeiten wie von zu Hause gewohnt. Denkt lieber in ISDN- oder Volumendrossel-Maßstäben. Oder, wenn ihr vorbereitet sein wollt, lasst euer Inklusiv-Volumen hochstufen oder denkt über einen zusätzlichen Surfstick nach. Verlasst euch nie auf die Annahme, dass überall die gleiche Netzwerk-Infrastruktur besteht, wie ihr sie kennt. Und da ihr das hier lest, gehe ich davon aus, dass ihr gerne und viel im Netz seid; da braucht ihr einen halbwegs vernünftigen Netzzugang.

Hotelbetten…
Das Thema ist eigentlich so ausgelutscht wie die Matratzen durchgelegen.
Mein Tip: wenn ihr auch nur etwas empfindlich seid was die Matratze angeht, nehmt euch Schmerztabletten mit.

Frühstück
Eigentlich ist das Frühstück ja die wichtigste Mahlzeit des Tages. Ich habe in der ganzen Zeit nur in Deggendorf Übernachtung und Frühstück gebucht und es hat sich für mich nicht so wirklich gelohnt. Ein Brötchen und eine große Tasse Kaffee. Im  „Aachen 2“ hätte ich dafür täglich 13 Euro gelassen. Sorry, so teuer ist nicht mal Starbucks, da verzichte ich dankend und schlafe lieber eine halbe Stunde länger, um mir dann den ersten Kaffee im Büro zu genehmigen.
Normalerweise werdet ihr beim Einchecken gefragt werden, ob ihr nicht doch Frühstück buchen wollt. Fragt nach dem Preis und überlegt euch, ob das für eure eigenen Gewohnheiten gerechtfertigt ist. Natürlich müssen die Hotels auch irgendwie ihre Kosten decken, aber wenn das Verhältnis zu weit auseinander klafft, lasst es lieber und fallt wenn möglich unterwegs zur Arbeit bei einem Bäcker ein. Kaffee können die meisten mittlerweile, sogar „to go“ und belegte Brötchen gehören eh zum Kerngeschäft. Das gibt dann ein Frühstück nach eigenem Geschmack für wahrscheinlich den halben Preis wie im Hotel. Und ihr habt nicht den Kampf mit diesen Miniatur-Portionsbechern für Marmelade und Co.

Ohrenstöpsel
Ich kann mit den Dingern leider nicht schlafen. Außer, ich schlage mit dem Kopf gegen das Kopfteil vom Bett und sinke in gnädige Ohnmacht. Dann bleibt aber immer noch das Problem, morgens den Wecker nicht zu bemerken. Im Urlaub mag das noch in Ordnung sein, aber auf einer Dienstreise ist das schon unpraktisch.

Mehrfachsteckdosen
Es ist ein Geheimtip für Leute, die gerne mal in Cafés arbeiten: Habt immer eine Mehrfachsteckdose dabei, damit macht ihr euch Freunde statt mit der Belegung der womöglich einzigen Steckdose für Unmut zu sorgen.
Grade nach meiner Erfahrung mit der einen einzigen Steckdose gehört eine Dreiersteckdose ab jetzt bei mehr als einer Übernachtung einfach mit in den Koffer.


Mittlerweile hat sich meine Reiserei eingeschränkt, und das drastisch. Dazu komme ich aber in einem anderen Post noch.

Fakt ist:
Für mich persönlich sind Dienstreisen bis 4 Wochen okay, 6 Wochen gehen noch mit Heimreise am Wochenende. Alles darüber hinaus zehrt zu sehr am Nervenkostüm und damit an der Konzentration.

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