Digitalministerium – Ein Kommentar

Deutschland ist im Hinblick auf Digitales schon beinahe ein Entwicklungsland… alter Hut.
Unsere kommende Bundesregierung macht bisher keine Anstalten, sich das Digitalisierungsthema ernsthaft auf die Fahnen zu schreiben.
Darum machen jetzt etliche Organisationen eine Petition an die kommende Regierung auf, in der ein dediziertes Digitalisierungsministerium gefordert wird.

Ehrlich jetzt? 

Ich meine, dass in Deutschland was passieren muss, damit es hier endlich mit der Digitalisierung voran geht… ich glaube, da erübrigt sich mittlerweile jede Diskussion.

Aber was soll ein eigenes Ministerium da bringen?

Weiß jemand denn überhaupt, was Digitalisierung oder „Digitale Transformation“ bedeuten soll?
Gibt es allgemeingültige Aspekte, die auf rund 82 Millionen Einwohner und tausende Unternehmen unterschiedlichster Größe anwendbar sind?
Anders gefragt: Worauf soll sich ein Digitalministerium fokussieren?

Ich glaube, ein solches Ministerium wäre in erster Linie damit beschäftigt, sich selbst und die eigene Arbeit zu definieren.
Bei unserem typischen Verwaltungsirrsinn reicht dafür eine Legislaturperiode nicht aus. Wenn da überhaupt etwas Sinnvolles bei rauskommt.

Hinzukommt noch obendrein die Personalsituation.
Wer sitzt denn auf der Einwechselbank? Die gleichen Namen, die seit Jahren die Digitalisierung verschlafen. Die sollen jetzt plötzlich eine 180° Wende hinlegen und Deutschlands Gesellschaft und Wirtschaft ins nächste Zeitalter führen?

Ganz offen gesagt… Ich halte das für ausgemachten Schwachsinn.
Das riecht schon jetzt nach Filz und Pöstchengeschacher. Und jeder Menge Kompetenzgerangel.
Digitalisierung betrifft nach einhelliger Meinung so ziemlich jeden Bereich. Und – typisch Deutschland eben – es gibt für so ziemlich alles ein eigenes Ministerium. Beispiel? Gerne!
Bildung… Wir sind uns doch sicher einig, dass Medien- und Digitalkompetenzen auch in der schulischen Bildung ihren Platz verdienen. Die Lehrpläne sind Sache der jeweilgen Landes-Bildungs-/ Schul-/ Kultusministerien. Da ein Bundes-Digital-Ministerium neben zu setzen, das dann plötzlich den „Digital-Unterricht“ für sich beansprucht, führt zu ministerialem Kleinkrieg und aus Sicht von uns Bürgerinnen und Bürgern nur wieder zu Stillstand.
Wirtschaft… Oh, bitte? Ehrlich? Ich kriege nicht mal alle Ministerien zusammen, die da mitmischen oder es wenigstens gerne würden.

Aber welche Alternativen gäbe es?
Unabhängige Berater? Kosten einen irrwitzigen Haufen Geld und es kommt trotzdem nur wieder warme Luft dabei rum.
Nicht ein ganzes Ministerium sondern eine andere zentrale Rolle wie eine/n Staatssekretär/in? Alter Wein, neue Schläuche; Rest dazu siehe oben…

Was mich an dem ganzen Ansatz insgesamt stört, ist die Brechstangenmentalität.
„Wir machen dafür jetzt ein eigenes Ministerium (oder sonst was) und dann ist Deutschland perfekt aufgestellt!“
Nochmal: Es gibt keine Patentlösung für die Herausforderung „Digitalisierung“. Wer das denkt, hat – so leid es mir tut – Digitalisierung nicht mal im Ansatz verstanden sondern drischt nur Phrasen.

Die einzig sinnvolle Alternative, die mir einfällt, um Deutschland im Sinne der Digitalisierung voran zu bringen, ist der Abbau von Ängsten und das Schaffen von Möglichkeiten, einfach mal was auszuprobieren, ohne bei einem Fehlschlag direkt auf ewig gebrandmarkt zu sein.
Etwas mehr Mumm und „fail often but never surrender“. Wenn es einen allgemeingültigen Ansatz gibt, wäre das einer meiner Topkandidaten.

Eine Antwort auf „Digitalministerium – Ein Kommentar“

  1. Noch ein wenig Presseschau mit (ebenfalls kritischen) Stimmen rund um die momentanen Digitalisierungsansätze… (alle Links öffnen sich in einem neuen Tab/ Fenster)

    Der Tenor insgesamt: Digitalisierung ist keine Frage der Technik sondern des Denkens. Macht was draus…

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