Gilt man als voll mobilisierter Angestellter auch als Digitaler Nomade?

Vielleicht bin ich der einzige hier, der sich noch daran erinnert, dass ich vor längerem mal ziemlich viel Aufmerksamkeit auf den Lebensentwurf „Digitalnomade“ gerichtet hatte. Wenn nicht, umso besser…
Außerdem hatte ich mir auch mal Gedanken über „Mobilisierungsgrade“ von Angestellten gemacht.

Beide Themen sind an sich mittlerweile aus meinem Blog wieder verschwunden, aber meine momentane Arbeitssituation zwingt sie mir doch genug auf, um sie mal zusammen in den Mixer zu werfen.

Nochmal kurz zurück zum Anfang. Was ist ein Digitalnomade?
Die deutschsprachige Wikipedia liefert folgende Definition.

Ein digitaler Nomade (auch Internet-NomadeBüronomadeurban nomad) ist ein Unternehmer oder auch Arbeitnehmer, der fast ausschließlich digitale Technologien anwendet, um seine Arbeit zu verrichten und zugleich ein eher ortsunabhängiges beziehungsweise multilokales Leben führt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Digitaler_Nomade

Stellt sich noch die Frage, was ich mit „voll mobilisiert“ meine.
Das geht auf die Zeit zurück, als ich vom reinen Outsourcing weg und mehr hin zum Consultant gegangen bin. Mittlerweile sind die drei Stufen eigentlich auf zwei zusammengeschrumpft.
Nochmal eben zum Verständnis:

  • nicht mobilisiert: Kein Firmen-Handy, Desktoprechner
  • teils mobilisiert: Firmen-Handy oder mobiler Rechner (das „Entweder Oder“ macht eigentlich keinen wirklichen Sinn und diese Kategorie ist kaum noch der Rede Wert)
  • voll mobilisiert: Firmen-Handy und mobiler Rechner vorhanden

Den Punkt „mobiler Rechner“ kann man heute wohl getrost um Tablets erweitern. Ein Firmen-Smartphone macht meines Erachtens übrigens noch keine Vollmobilisierung aus, da die Einsatzszenarien eines Smartphone zu begrenzt sind, wenn es um die berufliche Nutzung geht. Projektpläne lesen sich auf den Briefmarkendisplays eher schlecht, um nur ein Beispiel zu nennen.
Anwenden lässt sich das übrigens fast ausschließlich auf Bürojobs oder Tätigkeiten, die viel mit Wissensarbeit zu tun haben. Beschäftigte im stationären Handel, die meisten handwerklichen Berufe oder auch Ärzte lassen sich kaum hier einsortieren.

Mein berufliches Setup (Smartphone plus Laptop) macht mich persönlich also zum vollmobilisierten Mitarbeiter.

Und ich bin viel auf Reisen, ebenfalls beruflich.

Gehe ich jetzt nach der Definition in der Wikipedia, bin ich eindeutig ein Digitalnomade.

Und genau das bin ich nach eigener Einschätzung eben nicht!
Die Definition übersieht da einen ganz entscheidenden Aspekt: Das, was man Neudeutsch als Mindset bezeichnet.

Digitalnomaden haben das, was man als „Wanderlust“ bezeichnet. Sie wollen (!) einfach unterwegs sein, Neues erleben und kennenlernen.
Im Gegensatz zu mir; ich hasse mittlerweile Hotelzimmer und ständiges Umherreisen und die Sehnsucht nach meiner Familie, die natürlich wegen eigener Jobs nicht mitreisen kann, geht mir auch an die Nieren bzw Laune.

Klar, ich würde auch gerne andere Länder und Kulturen kennenlernen. Aber dann so richtig und nicht ständig vor dem Laptop hängen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Insofern, um die Frage anhand meiner persönlichen Erfahrungen zu beantworten:
Nein! Die technische Ausstattung macht einen längst nicht zum Digitalnomaden. Sie ist nur Mittel zum Zweck, den eigenen Lebensentwurf zu verwirklichen.

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