Freifunk in Mülheim a.d. Ruhr

Ahnt ihr es schon?

Zerreisst der etwa schon wieder eine Idee?

Volltreffer!
Allerdings gibt es keinen kompletten Verriss sondern einen ehrlichen Kommentar. Brutal ehrlich zwar, aber auch nicht beschönigt.

Ohne euch lange auf die Folter zu spannen:
Heute mache ich mir mal ein paar Gedanken um das Freifunk-Projekt. 

Für die, die davon noch nichts gehört haben, mal wieder eine einleitende Erklärung.
Bei Freifunk geht es darum, eine von geschäftlichen Anbietern weitestgehend unabhängige Internet-Infrastruktur aufzubauen.
Dazu werden sogenannte Mesh-Netzwerke aus WLANs aufgebaut, die über ein paar Zugänge den Weg ins Internet öffnen. Mesh-Netzwerke kennt man schon aus dem Bereich Mobiltelefonie. Die einzelnen Funkzellen unterhalten sich untereinander und überlappen sich gegenseitig. So ähnlich ist es auch bei Freifunk. Nur dass hier eben hauptsächlich Privatleute und Vereine verantwortlich sind und keine Telefongesellschaften.
Der Gedanke hinter Freifunk ist, möglichst vielen Leuten einen einfachen, unregulierten und kostenfreien Zugang zum Internet per WLAN zur Verfügung zu stellen. Daher werden Freifunk-Netze hauptsächlich in Innenstädten oder zumindest an stark frequentieren Bereichen aufgebaut.

Damit sind wir auch schon bei einem meiner Hauptkritikpunkte.
Die deutsche Bundesregierung und andere Bereiche der „öffentlichen Verwaltung“ haben erkannt, dass ein einfacher und günstiger bis kostenloser Internetzugang mittlerweile eigentlich unabdingbar ist.
Aber statt da schnell und unkompliziert selbst zu handeln, wird ellenlang debattiert und konzipiert.
Und dann kommt da plötzlich vor ein paar Jahren ein Verein daher, präsentiert ein lauffähiges technisches Konzept und fängt an, das auch noch umzusetzen. Die Regierungen und Verwaltungen springen darauf an und bekunden ihre Unterstützung für das Projekt und größere Firmen gehen damit auch noch auf Werbetour.
Ehrlich, ich finde das abstoßend. Das fühlt sich so nach „mit fremden Federn schmücken“ an.

Freifunk an sich finde ich eine prima Sache.
Dass die Freifunker, wie sie sich selbst nennen, sich von dieser Vereinnahmung von Dritten nach außen hin nichts anmerken lassen, finde ich auch klasse. Das beweist Größe, die die Schwafler nicht hatten.

Am liebsten würde ich ob dieser Heuchelei mit dem „wir unterstützen Freifunk“ noch deutlich tiefer Luft holen, bildlich gesprochen, aber ich will den Post hier nicht zu einer einzigen Schimpftirade werden lassen.
Also jetzt einmal tief durchgeatmet und auf die Technik geschaut.


Wie schon erwähnt, besteht ein Freifunk-Netzwerk aus mehreren WLAN-Routern, die sich alle untereinander unterhalten und die Datenpakete von Laptop, Tablet, Smartphone oder was auch immer gegenseitig durchleiten, bis ein Internet-Zugang erreicht ist. Genau dafür waren die grundlegenden Protokolle des Internet eigentlich gedacht: Automatisches Routing zwischen Quelle und Ziel. Der Hintergrund bei der Entwicklung waren aber nicht privat betriebene Netzwerke sondern die Stabilität des Netzes als Kommunikationsmedium im Fall eines nuklearen Angriffs. (Wir reden hier vom Kalten Krieg zwischen NATO und UDSSR, also für viele wohl gefühlt kurz nach der Steinzeit und der Erfindung des Rades; Wikipedia hilft, Leute)

Da das ganze nun in den meisten Gegenden erst noch im Entstehen begriffen ist, darf man von einem Freifunknetz nicht die gleiche Performance und Stabilität erwarten, mit der ein kommerzieller Anbieter aufwartet. Das ist zwar das erklärte Ziel der Freifunk-Initiative, aber man darf nicht vergessen, dass es hier eben hauptsächlich Privatleute die Treibenden sind.

Wer sich selbst in der Theorie ein Bild machen will, dem empfehle ich die Hauptseite der deutschen Freifunk-Vereine, quasi den Dachverband: freifunk.net (öffnet sich in einem neuen Fenster/ Tab)
Auf der Unterseite https://freifunk.net/wie-mache-ich-mit/community-finden/ (ebenfalls neues Fenster/ neuer Tab) findet man eine Suchfunktion, um nach einer Gruppe in der Nachbarschaft zu suchen. Alternativ bietet da auch Google einen guten ersten Einstiegspunkt.

Hat man eine lokale Gruppe oder eine in der Nähe gefunden, sollte man sich einen praktischen Eindruck verschaffen.
Dazu geht am besten raus; frische Luft und so und gerade die jetzigen Sommermonate laden doch eigentlich zu einer solchen Erkundungstour ein.

Letzteres habe ich selbst vor ein paar Wochen gemacht und mir in der Altstadt Mülheims, auf dem Kirchenhügel, das Netz mal angesehen. Herausgekommen ist dabei das:

Auf den Bildern sieht man meinen Standort und die Verbindungseigenschaften, wie mein Handy sie angegeben hat. Zur weiteren Orientierung hier noch der Link zum entsprechenden Kartenausschnitt der örtlichen Freifunker. Ich habe mal den nächstgelegenen Freifunk-Knoten für den Link genommen, vermutlich war das auch der, an dem mein Handy eingebucht war.


Bringt Freifunk nun etwas?
Als Symbol dafür, dass man mit genug Motivation und „Commitment“ etwas auf die Beine stellen kann, auf jeden Fall.

Dem selbst gesetzten Ziel der Initiative wird aber zumindest das Netz in Mülheim noch nicht gerecht und ich befürchte, dass Freifunk viel zu bald wieder in der Versenkung verschwinden wird. Warum? Weil die kommerziellen Telekommunikationsanbieter ihre Angebote und ihre Technik massiv ausbauen und die Menschen von Haus aus faul sind.
Warum sollte man sich auf ein freies aber bei weitem nicht so stabiles und schnelles Netz verlassen, wenn der eigene Handytarif drei mal schneller ist ohne Klimmzüge funktioniert?

Tut mir leid, liebe Freifunker.
Respekt für eure Arbeit, aber bis ihr da einen Unterschied macht, muss leider noch zu viel passieren.

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