Fast ein Jahr MacBook Pro – Gute Idee?

Fast ein Jahr ist es nun her, dass ich im beruflichen Einsatz von einem Windows-Notebook auf einen Mac (MacBook Pro 15 Zoll Retina) umgestiegen bin (ich hatte berichtet).
Zeit genug, die Entscheidung und ihre Folgen mal kritisch zu bewerten.
Machen wir es für den Anfang kurz und knackig.
„Mein“ Mac ist und bleibt ein grundsolides Gerät.
Aber: Wie ich letztes Jahr schon gemutmaßt habe, wird es dem Hype für mich nicht gerecht.
Das Gesamtpaket ist zwar absolut stimmig aufgesetzt und die Performance hat nicht merklich nachgelassen, aber es ist eben immer noch nichts wirklich besonderes.

Die Hardwareausstattung lässt sich auch ohne weitere Anstrengungen in Windows-Laptops der gleichen Preisklasse finden, wenn nicht sogar mittlerweile deutlich besseres.
Die im MacOS integrierte oder gratis über den App Store nachladbare Software ist zwar zweckdienlich aber kein Alleinstellungsmerkmal.

Mit einer Ausnahme: TimeMachine!
Dieses Onboard-Backup-Programm vermisse ich in Windows. So komfortabel habe ich Backups bisher noch nicht erlebt. Zielspeichermedium anschließen, TimeMachine entsprechend konfigurieren (2 Klicks), laufen lassen.

Neben TimeMachine als einzigem objektivem Kriterium gibt es nur noch ein Subjektives für mich.
Macs gelten nach wie vor als „elitär“, als Prestige-Bringer.
Ob man sich davon beeinflussen lassen sollte in seiner Kaufentscheidung? Nur, wenn man sich auch über sein Auto oder sonstige materielle Dinge definieren und profilieren muss.

Ich habe bisher keinen Anwendungsfall gefunden, in dem ich sagen müsste „Gut, dass ich den Mac habe!“.
Eher noch im Gegenteil. Bei vielen Punkten macht das MacOS einfach zu viel anders als das weiter verbreitete Windows. Und auch Linux ist eher an Windows orientiert als am Mac. Insofern ist die Interoperabilität nur mit einigen Klimmzügen machbar.
Bei der Zusatzsoftware hält es sich bei mir auch in Grenzen. Adobes Creative Cloud-Anwendungen gibt es in gleicher Weise für beide Welten und sie tun sich von den Lizenzkosten her nichts. Ansonsten habe ich noch einen VoIP-Client installiert, der aber sehr minimalistisch daherkommt und für mich nicht unbedingt intuitiv bedienbar ist. Die Anwendung auf meinem privaten Windows-Rechner finde ich da angenehmer.
Die Twitter-App unter MacOS ist da schon weiter vorne. Unter Windows ist die Bedienung doch noch sehr hakelig, die Mac-Variante hat da offenbar mehr Zuneigung und Aufwand bekommen. Schade drum, aber das ist auch nichts, was mich an den Mac binden könnte.

Wo der Mac also eindeutig punktet sind Hype-Themen (wer befeuert da jetzt eigentlich wen?) und Multimedia-Content-Erstellung.
Letzteres ist seit jeher Apples Hoheitsgebiet, was man an den mitgelieferten Tools merkt. Aber auch da gibt es mit etwas Aufwand Entsprechungen, mit denen man Windows unter die Arme greifen kann.
Wo der Mac für mich komplett patzt, sind Office-Anwendungen. Das Apple-eigene Paket aus Pages, Numbers und Keynote ist kein Vergleich zu der Microsoft Office-Suite, auch wenn es gerne so positioniert wird. Aber das sagte auch schon ein Apple-Mitarbeiter (ich weiß leider nicht mehr, welche Position derjenige zu dem Zeitpunkt inne hatte): „Wenn jemand etwas von Produktivität versteht, dann die Jungs von Microsoft. Deshalb haben wir uns heute einen von Ihnen eingeladen!“ (frei übersetzt von der Produktpräsentation des iPad Pro auf der Apple Keynote-Veranstaltung)

Die hochgelobte intuitive Bedienung des MacOS und die hohe Integration der Anwendungen untereinander kann ich so auch nicht bestätigen. Aber dafür bin ich vielleicht auch nicht der richtige Prüfer, da ich doch recht spezielle Anforderungen habe und es immer noch gewohnt bin, zwischen Programmen hin und her zu wechseln und die Dateien dabei manuell mitzunehmen.

Alles in allem:
Ich kann das MacBook jetzt nach etwas mehr als 11 Monaten weder verteufeln noch in höchsten Tönen loben.
Es ist ein hardware-seitig guter Laptop, der mit anderen Bedienkonzepten auf der Softwareseite daherkommt.
Außer der erwähnten TimeMachine gibt es aber nichts greifbares, was den Mac für mich auf „unbedingt wieder“ hebt.
In zwei Jahren, wenn die Vereinbarung zur Nutzung von Non-Standard-Hardware mit meinem Arbeitgeber ausläuft, werde ich zwar versuchen, den Mac zu übernehmen. Aber das auch nur, weil ich mittlerweile keinen rein privaten Laptop mehr mein eigen nenne und nicht, weil es ein Mac ist. Als dienstlichen Rechner werde ich dann wohl wieder auf eine Windows-Maschine gehen und mir den monatlichen Gehaltsabzug ersparen.

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