Klartext – Muss auch mal sein

Das wird nicht einfach…

Aber einfach wäre auch langweilig. Und da es hier ja nicht nur um Fotografie und IT und Gadgets geht sondern eben auch um den Menschen hinter dem Namen Trakonor, wird es jetzt mal wieder persönlich.

Mein mitlesender Freundes- und Familienkreis kann sich vielleicht schon denken, was hier jetzt kommt. Für alle anderen noch die Randnotiz zum Verständnis.
Ich bin vor ein paar Wochen im Büro (mein normaler Alltagsjob, keine eigene Show) zusammengebrochen. Heulkrampf, leerer Kopf, das volle Programm Nervenzusammenbruch. Meine Kollegen haben es dann zum Glück geschafft, mich sturen Workaholic davon zu überzeugen, lieber den Tag auf krank zu schreiben. Ich hatte vor ein paar Tagen ja schon mein „Outing“ als Burnout-Betroffener und habe mich auch nebenan bei ArgAnKo schon ein wenig auf dem Thema ausgelassen… An dieser Stelle lasse ich mal die fachlichen Überlegungen raus und schreibe frei von der Leber weg, wie man so schön sagt.

Letzten Endes bin ich aber nicht einfach nur nach Hause sondern zum Arzt gefahren. Der hat mich dann erstmal für gute 2,5 Wochen vom Spielfeld gestellt, sprich mich arbeitsunfähig geschrieben. Daraus wurden dann mit 2 Tagen Unterbrechung insgesamt ziemlich genau 4 Wochen.
4 Wochen sind für einen Burnout nun wahrlich keine angemessene Zeit zur Erholung. Das merke ich momentan einigermaßen deutlich.

Welche Fehler habe ich gemacht?
Was habe ich gelernt?
Wie hilft mir mein Umfeld?

Schön der Reihe nach.

Meine beiden größten Fehler waren wohl, nicht auf mein Unterbewusstsein und nicht auf mein direktes Umfeld zu hören.
Ich habe mir selbst immer noch eine Ladung mehr aufpacken lassen, immer noch für andere Aufgaben übernommen, immer weiter Druck gegenüber mir selbst aufgebaut. Dass das irgendwann nicht mehr gutgehen konnte, haben mir schon lange vorher etliche Leute gesagt und auch mein Unterbewusstsein hat mir mit konsequentem Unbehagen versucht deutlich zu machen, dass was nicht stimmt. Aber mein Denken war einfach nur „The show must go on!“ und so wurde weitergemacht. Blöde Idee!
Ein weiterer Fehler war es, nach der ersten Krankschreibung wieder ins Büro zu gehen. An dieser Stelle ein großer Dank an meinen Chef, der mich am Mittag des zweiten Tages überzeugt hat, nochmal zum Arzt zu gehen. Und Dank auch an die meisten meiner Kollegen, die seit dem Zusammenbruch gut auf mich aufpassen.
War es ein Fehler, nach den 4 Wochen schon wieder zur Arbeit zu gehen? Vielleicht ja. Ich merke selbst, dass ich noch immer nicht stressresistent genug bin, um Treffer mal eben locker wegzustecken. Ich gehe viel zu schnell an die Decke, wenn irgendwas unvorhergesehenes passiert, was im IT-Support eigentlich an der Tagesordnung ist.

Was ich daraus gelernt habe?
Bisher noch wenig greifbares, da die weitere Behandlung noch läuft. Ich habe jedenfalls gelernt, mir nicht mehr jeden metaphorischen Schuh anzuziehen und auch mal zwei gedankliche Schritte zurück zu treten, um eine Situation zu beurteilen.
Was noch? Ach ja: Die Welt geht nicht unter, wenn etwas mal nicht absolut perfekt läuft. Und rund um die Uhr erreichbar sein muss man auch nur bei Bereitschaft.

Und ich liebe das „PSK-Prinzip“.
PSK steht bei mir für „Packen, Sortieren, Kontrollieren“, eine Phrase, die ich mir aus dem 2. Teil der Filmreihe „Stirb langsam“ ausgeliehen habe. Das heißt, dass man sich erstmal einen Überblick über alle möglichen Themen und Aufgaben macht („Packen“), wenn es unübersichtlich wird. Ob jetzt eine To-Do-Liste welcher Art auch immer oder irgendein anderes Vorgehen ist völlig egal. Man könnte auch eine Mindmap anlegen; es obliegt jedem selbst, den eignen Favoriten zu finden.
„Sortieren“ meint eine Einstufung nach Wichtigkeit und Dringlichkeit und das Sammeln von Informationen, wenn man noch welche braucht.
„Kontrollieren“ meint schließlich die konzentrierte Abarbeitung von Themen entweder bis zur Fertigstellung und -Meldung oder bis zu dem Punkt, wo man wieder auf andere angewiesen ist.
Ist ein Thema abgearbeitet oder auf besagtem Zwischenstand: Ablegen, erstmal aus dem Kopf streichen.
Auf die Art und Weise habe ich seit gut 2 Wochen am Abend den Status „Inbox zero“, also keine offenen Themen mehr.

Daneben verbringe ich auch gerne und bewusst Zeit mit meiner Familie, um dem Kopf von Arbeitsthemen frei zu bekommen und widme mich auch mehr meinem Hobby Fotografie, wie hier ja schon deutlich zu sehen war.

Mein Umfeld…
Ich hatte es weiter oben schon geschrieben, dass die meisten meiner Kollegen mir verdammt gut zur Seite stehen.
In der Zeit meines Krankenscheins wurden meine alten Aufgaben kommissarisch umverteilt auf mehrere Leute und vergangene Woche wurde das dann auch von vorgesetzter Seite festgeschrieben. Das heißt auch, dass ich die Rolle des Teamleiters los bin. Bin ich deswegen verstimmt oder fühle mich dadurch negativ bewertet? Ganz und gar nicht! Ich bin weiterhin stellvertretender Teamleiter (und die nächsten beiden Wochen auch wieder amtierender) und habe dadurch mehr Zeit, mich meinen anderen gewachsenen Aufgaben zu widmen. Was vorher nur implizit auf meinen Schreibtisch gehörte, ist nun festgelegt und es gibt klare Abgrenzungen und die Möglichkeit, mich darauf zu konzentrieren.
Familie und Freunde tun ihr Bestes, um mich nach Feierabend gedanklich von der Arbeit fern zu halten. Auch euch tausend Dank!

 

Wie geht es weiter?

Schwer zu sagen. Wie angedeutet stehen mir noch ein paar Termine im Rahmen der Behandlung bevor.
Ein Neurologe soll noch checken, ob es eventuell körperliche Ursachen für den Zusammenbruch gab; ein Psychologe muss noch die Ursachen im Kopf angehen. Das wird alles seine Zeit dauern.
Darum, dass mein Team in Schwierigkeiten kommen könnte, brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Es ist alles sauber geregelt und wenn doch mal was schief geht, fangen die Kollegen mich schon wieder ein.
Und dadurch, dass ich die Arbeit auch wirklich im Büro lasse, kann ich mich auch mal wieder um private Interessen kümmern, wie seit gestern „Nature Reclaims“, ein neues Foto-Projekt, um nur ein Beispiel zu nennen. Hier geht es natürlich auch weiter bzw wieder los.

 

Nur nicht mehr heute Abend. Dafür muss dieser Post reichen. Mit fast 1000 Wörtern habe ich euch  eh schon genug mit meinen Problemen gelangweilt 😉

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