Sinn und Unsinn und Rauchmelder

Rauchmelder… An sich eine schöne Sache, allerdings auch mit ein paar Ecken und Kanten.
Nimmt man dann noch die Inbetriebnahmepflicht in Deutschland hinzu, kann ich einfach nicht anders, als mir Gedanken über Sinn und Unsinn des ganzen zu machen.

Bereit?

Dann mal los!

Vorab muss ich mal wieder etwas loswerden.
Ich bin kein Brandexperte und auch kein Feuerwehrmann. Was ich weiß, stammt aus Notfall-Brandbekämpfungshelfer-Ausbildung bei der Bundeswehr und ein wenig Nachdenken und Nachfragen. Wer eine vernünftige Beratung zu den Themen vorbeugender Brandschutz und Brandbekämpfung sucht, wendet sich bitte zusätzlich zur Lektüre dieses Posts an die örtliche Feuerwehr!
Und nicht über die 112 die Beratung suchen! Der Notruf ist für echte Notfälle und genau die wollt ihr ja erstmal verhindern. Die Feuerwehr hat auch immer eine „normale“ Rufnummer, die euch spätestens die Bürgerberatung besorgen kann.
Und experimentiert nicht mit Feuer, selbst wenn ihr euch noch so sicher seid, dass ihr in einer kontrollierten Umgebung mit ausreichender Absicherung seid. Solange ihr keine Ausbildung wie ein Mitglied der Feuerwehr habt, könnt ihr eine solche Beurteilung nicht leisten!

Alles verstanden? Dann legen wir los.

Was ist überhaupt ein Rauchmelder?
Ganz kurz und knackig: Ein Gerät, um Brandrauch zu erkennen und anwesende Personen zu alarmieren, um Brandbekämpfung oder Evakuierung vor dem Eintreten von Gesundheitsschäden zu ermöglichen.
Man sollte hier übrigens nicht dem Irrglauben unterliegen, dass nur das Feuer an sich eine Gefahr darstellt. Auch der Brandrauch kann zu schweren bis tödlichen Verletzungen führen; das Stichwort hier ist „Rauchvergiftung“.

Warum dieser Post?
Bis Ende 2018 muss in fast allen deutschen Bundesländern jede Wohnung mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Ein paar Bundesländer haben die Pflicht schon seit Jahren, andere kommen noch. NRW hat die Deadline am 31.12.2016. Und daher wurde meine Wohnung dann Mitte November von einem Unternehmen im Auftrag der Hauseigentümer mit den Dingern ausgestattet.
Der Übersicht halber noch schnell die Deadlines der einzelnen Bundesländer:

  • Baden-Württemberg: 31.12.2014
  • Bayern: 31.12.2017
  • Bremen: 31.12.2015
  • Hamburg: 31.12.2010
  • Hessen: 31.12.2014
  • Mecklenburg-Vorpommern: 31.12.2009
  • Niedersachsen: 31.12.2015
  • Nordrhein-Westfalen: 31.12.2016
  • Rheinland-Pfalz: 12.07.2012
  • Sachsen-Anhalt: 31.12.2015
  • Schleswig-Holstein: 31.12.2010
  • Thüringen: 31.12.2018

Die Ironie an der Montage bei mir: Am Donnerstag der Vorwoche hatte einer der schon länger im Treppenhaus montierten Rauchmelder eine Fehlfunktion und schlug um kurz nach 23 Uhr – lautstark wie es sein soll – Alarm. Von meiner Frau geweckt (ja, verdammt, ich habe das Ding nicht gehört, obwohl das Schlafzimmer näher am Treppenhaus ist als das Wohnzimmer) also raus ins Treppenhaus und erstmal den Geruchstest gemacht. Da brannte nichts. Inzwischen hatte es auch die Nachbarn von weiter oben ins Treppenhaus getrieben. Keiner roch etwas, niemand hatte eine Erklärung außer „das Ding spinnt“.
Grade als ich die Leiter holen wollte, um den Rauchmelder von der Decke zu pflücken, ging er aus. Gut, also zurück ins Bett. Am Abend noch irgendwas zu veranstalten wäre reichlich sinnlos, wenn 4 Tage später eh neue Melder ins Haus kommen.

Nachdem ich dann also mit der ersten Erfahrung mit der aktuellen „Privatnutzer-Rauchmelder“-Generation gesegnet war, habe ich mir mal die Erläuterungen der installierenden Firma zur Hand genommen und mich schlau gelesen.
Die Rauchmelder, die wir jetzt an den Decken hängen haben, funktionieren nach einem rein optischen Prinzip. Eine LED strahlt innerhalb des Gehäuses Licht ab. Solange die Luft im Gehäuse klar oder zumindest nicht zu verqualmt ist, passiert nichts. Herrscht aber „dicke Luft“, zum Beispiel durch Brandrauch, wird das Licht in einen Photosensor reflektiert und dadurch der Alarm ausgelöst.

Meine erste Sorge: Leute, wir sind Raucher! Wenn das Ding zu empfindlich ist, können wir demnächst für jeden Sargnagel erstmal 2 Altbauetagen runter in den Innenhof gehen.
Gut für die Kondition aber nervig. Und Aufhören wäre das gut für die Gesundheit und den Kontostand, aber das wollte dann doch niemand von uns. Da ich selbst nicht bei der Installation anwesend sein konnte, gab ich diese Sorge also meiner Frau mit auf den Weg.
„Alles unbegründet,“ war dann die Antwort vom Installateur. Getestet und für korrekt befunden. Wir rauchen also weiter im Warmen.

Bleibt noch die zweite Sorge: Staub.
Was, wenn die absorbierende Schicht im Deckel zustaubt und das Licht in den Photosensor reflektiert? Zugegeben, das könnte man mit Putzen regeln, aber traut sich jemand von Euch an die Rauchmelder dran, macht sie auf und wischt darin Staub? Ich gehöre nicht dazu, aus den Bedenken heraus, dass ich damit den Rauchmelder beschädige und er dann im Ernstfall keinen Alarm mehr schlägt.

Durch den Fehlalarm, das Wissen um die Funktionsweise und ein wenig Wissen aus dem Beruf kam ich dann ins Grübeln.
Es gibt nicht nur Rauchmelder sondern auch Geräte, die als Brandmelder bezeichnet werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird beides oft synonym verwendet, aber ein Brandmelder ist etwas komplexer als ein Rauchmelder, der nur mit Licht und Schatten arbeitet, und kombiniert mehrere Kriterien, um eine bessere Branderkennung zu erreichen und Fehlalarme zu vermeiden.
Das hier auszuführen würde deutlich zu weit führen, daher verweise ich hier nur auf den Artikel in der Wikipedia
Da diese kombinierten Melder aber deutlich teurer sind, wird ein rein optischer Rauchmelder wohl als ausreichend angesehen. Besser als gar nichts sind sie auf jeden Fall.

Gibt es auch noch andere Alarmierungen als diesen eklig schrillen Warnton?
Natürlich gibt es die, aber was nützt nachts ein Blinklicht? Genau gar nichts.
Und man könnte jetzt im Sinne von Smarthome eine Vernetzung mit dem Smartphone oder PC ins Spiel bringen, aber auch dabei ist der Sinn gleich null. Zumindest bei mir ist es so, dass ich nicht von einem kurzen Piepsen des Handys wachwerde und eine Dauersirene aus dem Handylautsprecher mag zwar ihren Zweck erfüllen, ist aber auch unpraktisch, wenn man grade nichts gegen die Ursache unternehmen könnte.
Smarthome und Brandmelder sind also ausgemachter Unfug.

Was dagegen mehr Sinn macht, ist die Aufschaltung der einzelnen Melder an einer Brandmeldeanlage für das gesamte Haus und von da aus vielleicht sogar die automatische Alarmierung der Feuerwehr.
Allerdings bringt das immense Kosten mit sich, die nicht nur einmalig bei der Installation der Melder anfallen sondern auch monatlich auf dem Konto auftauchen. Insofern macht das in Einfamilienhäusern keinen praktischen Sinn und bei Mehrfamilienhäusern schlägt sich das wenn dann drastisch auf die Miete nieder. Bei den klassischen „Wohnregalen“ mag sich das wirtschaftlich wieder rechnen, aber der Installationsaufwand lohnt sich bei der Nachrüstung nicht. Und da alle Welt von den Wohnregalen weg will, glaube ich auch nicht, dass es viele Aufträge für Neubauten gibt.
Bei Firmen macht das ganze schon mehr Sinn, insbesondere wenn es um zentrale abzusichernde Bereiche geht, die nicht ständig mit Personal besetzt sind. Das Paradebeispiel dafür sind Rechenzentren. Kaum jemand hält sich freiwillig länger darin auf (Lärm!) aber sie müssen rund um die Uhr laufen und brennen sollte es da natürlich auch nicht.

Damit kommen wir dann auch zur nächsten Überlegung.
Warum nur Rauch- oder Brandmelder? Das ist nur die halbe Miete.
Natürlich erfüllen sie für sich genommen den Zweck, Gesundheitsgefahren zu vermeiden und vielleicht auch noch rechtzeitig Sachschäden durch Alarmierung der Feuerwehr zu verhindern. Aber die Bedienung eines Feuerlöschers ist keine Raketenwissenschaft und selbst wenn es sich nicht sofort durch die Bauart erschließt, ist jeder Löscher mit einer bebilderten Anleitung bedruckt, für die es nicht einmal Sprachkenntnisse braucht.
Warum nicht also auch direkt eine Pflicht für Feuerlöscher, analog der Rauchmelderpflicht? Natürlich ist eine solche Pflicht mit weiteren Kosten verbunden, die sowohl initial mit der Aufstellung als auch mit der regelmäßigen Wartung auf den Kontostand schlagen. Aber ich behaupte mal, die Kosten, die das mit sich bringt, sind deutlich weniger nervenaufreibend als die Schadenssumme und der Papierkrieg mit der Versicherung, wenn dann doch mal ein Feuer ausbricht.

Und es müssen nicht mal spezielle Löscher sein.
Die üblichen ABC-Löscher tun es für den Hausgebrauch in der Regel schon. Es gibt natürlich auch noch spezielle Löscher, die auch gegen brennende Fette taugen.
Ein ABC-Löscher (auf Schaum-, Pulver- oder CO2-Basis; nicht Wasser) reicht für den brennenden Herd oder grade jetzt in der Adventszeit für die vergessene Kerze auf dem Kranz aber ohne weiteres aus. ABC-Löscher ohne Wasser im Löschmittel sind mit einem Abstand von 1 m auch gegen elektrische Geräte einsetzbar, sodass es nicht zum elektrischen Schlag kommen kann.

An dieser Stelle vielen Dank an meine Arbeitskollegin Barbara, die mir hier mit Wissen aus ihren Engagement bei der Feuerwehr ausgeholfen hat!

Das „ABC“ bezeichnet drei verschiedene sog. „Brandklassen“, basierend auf dem brennenden Material.
Hier eine kleine Aufstellung dazu:

  • A: Brennende Feststoffe (Holz, Papier, Plastik, …)
  • B: Flüssigkeiten (Benzin, Heizöl, Farben, Lacke, Alkohol…)
  • C: Brennende Gase (In Privathaushalten wahrscheinlich eher selten)
  • D: Metalle und Legierungen
  • F: Speisefette und -Öle (Zerlassene Butter in der Pfanne, Frittierfett in der Fritteuse, …)

Ja, da fehlt die Klasse E. Diese wurde aus der entsprechenden Norm-Definition gestrichen, da die aktuellen Feuerlöscher für die Klassen A, B und C auch hier eingesetzt werden können. Klasse E bezeichnete Brände in elektrischen Anlagen mit einer Betriebsspannung von höchstens 1.000 V.

Hier erklärt sich dann auch, warum ich weiter oben von Feuerlöschern auf Wasserbasis abgeraten habe. Wasser leitet elektrischen Strom so gut wie kaum etwas anderes. Sollte also, um wieder in der aktuellen Zeit zu bleiben, der Weihnachtsbaum Feuer fangen, könnte die dahinter liegende Steckdose durch den Wasserstrahl des Löschers erfasst werden und wir am anderen Ende plötzlich unter Strom stehen. Schaum, Pulver und CO2 leiten Strom wesentlich schlechter.
Der zweite Grund gegen einen Wasserlöscher ist brennendes Fett.
Trifft Wasser auf brennendes Fett, verdampft es schlagartig. Durch die Ausdehnung dabei werden winzige Tröpfchen des brennenden Fettes im Raum verteilt und der Brand vergrößert sich noch. Und jeder, der mal an einer Pfanne mit spritzendem Fett gestanden hat, weiß, dass selbst der kleinste Fettspritzer höllisch weh tut. Daran kann man das Ausmaß im Brandfall vielleicht erahnen.

Fazit:
Rauch- und Brandmelder sind für sich eine wunderbare Sache.
Sie helfen dabei, Leben und Besitz zu schützen.
Also meckern wir nicht über die Verpflichtung, die Melder in unseren Wohnungen und Häusern in Betrieb zu nehmen!
Wer dann noch selbständig einen Feuerlöscher anschafft, ist besonders vorsichtig. Aber darauf ausruhen, dass man einen hat, sollte man sich nicht. Wie alles andere auch brauchen Löscher Wartung, damit sie im Ernstfall auch nützlich sind. Wenn man also diesen zweiten Schritt geht, sollte man sich eingehend beraten lassen und dafür sorgen, dass spätestens bei Ablauf der Frist auf dem Prüfsiegel der Löscher auch seine Streicheleinheiten vom Fachbetrieb bekommt.

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