Laut und „dumm“

Ich bin ja mal gespannt, wann ich irgendwem genug auf die Zehen gestiegen bin, damit meine Seite vom Netz geklagt wird. Lange kann es nach diesem Post eigentlich nicht mehr dauern. Andererseits wird auch dieses Mal niemand direkt persönlich angegriffen. Ach so, vielleicht wäre es noch hilfreich, ein paar Stichworte zum heutigen Mecker-Thema loszulassen. Dass ihr da nicht selbst drauf kommt… tse.

Es geht um Narzissten (nicht zu verwechseln mit meinem Lieblingsgegnern, den Nazis; auch wenn es da durchaus Parallelen geben mag) und Beobachtungen von Dunning-Kruger-Effekt-Geplagten (siehe oben).
Ah, und wer im vorigen Absatz den Finger gehoben hat und sich angegriffen fühlte: Willkommen in der Welt der Dunning-Krugers!

Ihr lest weiter? Sehr gut, das distanziert euch schon mal sowohl vom Dunning-Kruger-Geplagten (im Weiteren erlaube ich mir, nur noch DK zu schreiben) als auch vom Narzissten.
Damit wir das gleiche Verständnis haben leite ich den gehaltvollen Teil des Gemeckers mit ein paar Begriffsklärungen ein. Zur Vertiefung empfehle ich jeweils die Lektüre der entsprechenden Wikipedia-Artikel oder – noch besser – eine eingehende Recherche in psychologischer und psychiatrischer Fachliteratur. Zu Bedenken gebe ich noch, dass ich diese Felder hier nur zum Verständnis anreiße, jedoch über kein tiefer gehendes Wissen in diesen Bereichen verfüge; wenn man von Selbstreflexion und regelmäßigem Umgang mit anderen Menschen absieht.

Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt das Verhalten vergleichsweise weniger kompetenter Personen, ihre eigenen Erkenntnisse für zutreffender zu halten, als die von nachweislich Kompetenteren.
Beispiel gefällig? Gerne:
Wie oft ist es euch schon passiert, dass euer Gegenüber euch euren Job erklären wollte? Ihr habt einem DK-„Opfer“ gegenübergestanden.

Den Begriff „Narzissmus“ muss man leider aufteilen. Es gibt den „Alltags-Narzissmus“ und die anerkannte psychische Erkrankung der „narzisstischen Persönlichkeitsstörung“. Beides stellt sich recht ähnlich dar und ich verwende es im Kontext dieses Posts auch synonym.
Der „Alltags-Narzissmus“ lässt sich auch als Selbstverliebtheit, Egozentrik und Geltungsbedürfnis – alles in extrem starker Ausprägung – beschreiben.
Hierzu ein Beispiel: Promis… Bei denen gehört ein gewisses Maß an Selbstinszenierung zum Geschäft.
Der klinische Narzissmus („narzisstische Persönlichkeitsstörung“) zeigt ähnliche Auswirkungen, allerdings auf Kosten anderer und zur Aufrechterhaltung eines selbst geschaffenen Selbstbildes.
Auch hier ein Beispiel, eigentlich sind es auch wieder mehrere: Autokraten, Diktatoren und andere Despoten. Davon hat die Welt in der Vergangenheit schon etliche erlebt und leider mehren sich diese in letzter Zeit wieder. Was mir auch direkt die Überleitung in das eigentliche Gemecker liefert.

Ich habe vor geraumer Zeit auf Facebook meinem Ärger über Impfgegner Luft gemacht (hier). Jeder halbwegs brauchbare Arzt wird zum Impfen raten. Jeder, der schon mal eine eigentlich impfbare Infektionskrankheit überstanden hat, wird anderen zum Impfen raten. Impfgegner jedoch ziehen irgendwelche negativen Folgen aus obskuren selten näher benannten Quellen heran, die in ihren Augen das Nicht-Impfen rechtfertigen und sogar als die bessere Wahl hinstellen. Ich will den Post nicht unbedingt hier rein kopieren; die Sichtbarkeit ist öffentlich gestellt und wer sich kein Facebook-Cookie einfangen will, kann den Post auch gerne als PDF von mir bekommen (einfach per Mail anfragen oder unten in den Kommentaren).
Diese Quellen betrachte ich als Auswirkungen des Dunning-Kruger-Effekts. Den Autoren dieser Quellen klinischen Narzissmus anzudichten würde jetzt jedoch vielleicht zu weit gehen.

Anders sieht es bei durchaus bekannten und politisch aktiven Klimawandel-Leugnern aus.
(nein, ich werde jetzt nicht wieder einen Pro-Klimaschutz-Post hieraus machen; dieses Beispiel dürfte allerdings den meisten am eingängigsten sein)
„Es ist halt Sommer“, „es gab schon immer in der Weltgeschichte warme und kalte Perioden“… Ja, schön. Aber in dem Ausmaß der letzten paar Jahr(zehnt)e war das noch nicht da. Hier sehen wir den DK-Effekt („ich weiß es besser als jemand, der das Thema jahrelang studiert hat, weil ich ein Thermometer ablesen kann“) und Alltags-Narzissmus („ich habe Recht, du hast keine Ahnung und deine Quelle ist eine Fälschung“, also Diskreditierung der anderen untermauerten Meinung) in Kombination. Vom Alltags- zum klinischen Narzissmus wird es, wenn die eigene Machtposition genutzt wird, um die eigenen Ansichten als einzig wahren zu platzieren.
Dazu gehört dann auch gerne das Verbiegen oder Auslassen von Fakten, Übertreibungen und glasklare Lügen. Wir sehen das seit einigen Monaten sehr gerne in der Politik, sowohl international als auch innerhalb von Deutschland. Viele Politiker – auch auf Ebenen, die nicht mehr „Provinz“ sind – sind in der Vergangenheit mit solchem Verhalten aufgefallen und öffentlich korrigiert worden. Wenn der Druck der öffentlichen Meinung hinter der Korrektur zu groß wird, wird dann gerne zurückgerudert und die ursprüngliche falsche Aussage relativiert oder als Versehen oder Missverständnis abgetan. Gerade letzteres wird dann gerne auch noch mit einer Schuldzuweisung an die Korrigierenden garniert, um sich selbst als das Opfer einer Schmutzkampagne zu inszenieren.
Mittlerweile sollte eigentlich jeder herausgefunden haben, welche politische Strömung und Partei ich hier im Sinn habe…

Wie begegnen wir sowas am besten?
Gute Frage… leider kann ich sie nicht abschließend beantworten, da die Umstände und damit die Umgangsstrategien zu vielfältig sind.
Im privaten Umfeld (Freundeskreis etc) können wir versuchen, unserem Gegenüber mit sachlichen und ruhigen Diskussionen die Realität wieder nahe zu bringen und es von seinem hohen Ross herunter zu holen.
Oder, wenn alles Zureden nichts bringt, auf die Reaktion „du hast Recht und ich meine Ruhe“ verfallen. Das geht natürlich nur, wenn von der falschen Meinung unseres Gegenüber nichts weiter abhängt.
Ist die Meinung eines DK-Geplagten oder Narzissten denn wirklich falsch? Als aufgeklärte Mitglieder der Gesellschaft sollten wir natürlich statt direkt um uns zu schlagen erstmal die Argumente und – wenn denn möglich – Quellen der gegenüberstehenden Meinung prüfen. Niemand ist perfekt und vielleicht sind es ja auch wir, die falsch liegen. Wenn jedoch anerkannte Experten (z.B. Wissenschaftler) in der Mehrheit unsere Meinung unterstützen, können wir zu Recht davon ausgehen, selbst auch im Recht zu sein. Leider bringt das bei narzisstischen DK-Opfern meist wenig.
Und der Umgang mit Politikern, die sich weiterhin im Recht sehen aber soweit an der Realität vorbei denken, dass sie eigentlich schon in der Oort’schen Wolke unterwegs sind? Da ist mit Vernunft erstmal nichts zu wollen. Erstmal müssen wir laut werden, lauter als sie, sodass sie uns zuhören müssen. Dann erst können wir zurück auf die sachliche Ebene und Überzeugungsarbeit leisten. Genau das, was – und hier ist wieder das Klimabeispiel angebracht – die von Greta Thunberg initiierte Fridays for future-Bewegung zu erreichen sucht.
Wenn sich ein narzisstisches DK-Opfer jedoch auch unter stärkstem Druck nicht zum offenen sachlichen Gespräch bringen lässt, hilft leider nur das demokratische Grundprinzip der Mehrheit, um realitätsfernen Fehlentwicklungen Einhalt zu gebieten.

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