Sinn und Unsinn und… Feuerwerk

Alle Jahre wieder, konkret zum Jahresende, kommt die Diskussion „Feuerwerk ja oder nein“ hoch.
Die klassischen Medien treiben die Sau wieder durch ihre Dörfer, die Netzwerke strotzen vor Posts aller Art der Pro- und auch Contra-Seite mit allen möglichen vernünftigen Argumenten wie auch hysterischem Geschrei – aus beiden Lagern gleichermaßen.

Zeit, dass ich mich da mal einklinke…

Zwei Dinge seien noch vorab geklärt:
1. Es heißt – laut Duden, bevor hier jemand meint, mehr Klugscheißer zu sein als ich – Silvester, mit I. Andere Schreibweisen (mit Y) bezeichnen nicht den 31. Dezember. Für manche mag auch „Saufvester“ angemessen sein, aber das ist für diesen Post nicht weiter relevant.
2. Ich gehöre zur Fraktion „Feuerwerk? Nein, danke!“

Warum lehne ich Feuerwerk zu Silvester mittlerweile ab?
Aus zwei Gründen.
Erstens – der Trivialere von beiden – ist mir das schlicht zu teuer für ein paar Minuten Krach und bunte Lichter. Oh, ansehen kann ich mir das ohne großes Zögern. Brennt man jedoch selbst Feuerwerk ab, hat man meist wenig davon und bespaßt nur andere. Und ganz ehrlich, da genieße ich lieber den Anblick in gesundem Egoismus.
Zweitens habe ich Haustiere und für Tiere ist das jährliche Silvester-Feuerwerk in allen Straßen einfach nur Stress. Daran kann ich mich nicht guten Gewissens beteiligen. Wir werden am 31. für unsere Katzen wieder Verstecke bauen, ab 23 Uhr die Fenster geschlossen halten und Ruhe verbreiten, damit unser kleiner Angsthase sich nicht wieder eine Woche lang mit nervösem Zucken bei jedem kleinen Geräusch rumschlagen muss.

Nur, damit wir uns richtig verstehen: Ja, ich gehöre zur Contra-Fraktion. Aber ich will auch niemandem den Spaß am Feuerwerk nehmen.
Und ich wäre nicht ich selbst, wenn ich mir da nicht weitere Gedanken zu machen würde.

Es gibt beide Fraktionen in jedem Ort und jeder Nachbarschaft.
Liebe Feuerwerksfreunde, was wäre so schlimm daran, euch mit Gleichgesinnten an einem bestimmten Ort zu treffen und dort eurer Leidenschaft zu frönen? Dieser kann meinetwegen zentral gelegen sein, sodass ihr alle relativ einfach dort hin kommt. Ich denke da an Parks, öffentliche Plätze (Marktplätze, Parkplätze, …) oder vergleichbares. Tiere haben dann in der Umgebung aber bitte nichts zu suchen. Haustiere von Anwohnern haben dann zwar das Nachsehen, aber das haben sie (und wir) eh schon, wenn vor der Haustür rumgeballert wird.
Wir Feuerwerksverweigerer können dann immer noch in doppelter Dankbarkeit dem Spektakel zusehen ohne unsere Fellnasen oder was auch immer sich das Heim mit uns teilt beruhigen zu müssen.
Damit wäre beiden Fraktionen geholfen, finde ich.

Und was ist mit den Verweigerern, die das ganze aus Umweltschutzbedenken heraus ablehnen?
Nun, dafür habe ich keine Lösung anzubieten. Feuerwerk ist von Haus aus eine Umweltsünde und solange es kein generelles Verbot gibt, wird sich das nicht ändern. Daumen hoch für die Luftreinhalter, aber ihr seid (leider) in der Unterzahl und steht auf verlorenem Posten.
Jedoch würde mein Gedanke mit der Konsolidierung der „Knallflächen“ auch dazu beitragen. Hat jemand noch nicht die Abfallberge am Neujahrsmorgen gesehen? Dann geht nächste Woche mal am Neujahrsmorgen spazieren. Durchweichte Pappe, Papier, Plastikfolien und -Kappen säumen Straßen und Gehwege. Der Spaß ist vorbei und die wenigsten kümmert es dann noch. Die Stadtreinigung darf sich mit dem Hinterlassenschaften rumschlagen. Durch die Chemikalien ist das auch nicht nur einfacher Papiermüll, der ins Recycling könnte, sondern meines Wissens besonders zu behandelt.
Das Folgende wird auch auf noch mehr Widerstand stoßen als die Idee mit der Verlagerung an sich schon. Diese öffentlichen Feuerwerksplätze könnten von öffentlicher Seite, zum Beispiel vom Ordnungsamt, kontrolliert werden. Beim Betreten wird erfasst, wer wie viel Feuerwerk mitbringt, und wieder gehen darf nur, wer nachweislich mindestens die Menge des eigenen Mülls wieder mitnimmt. Das wird zwar auch nicht alles von den Plätzen schaffen, aber da dann eh alles an einem Ort ist, hat es die Stadtreinigung leichter.
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Ordnungsamt bürdet das zwar eine Sonderschicht auf, aber auch dafür gibt es sicher Lösungen (rotierende Schicht, Sonderzulage im Gehalt, zusätzliche freie Tage – nur ein paar Beispiele).

Ich sehe da, außer dem erhöhten Aufwand des „Anreisens“ für Feuerwerkfans und der eventuellen Kontrolle der Plätze, keine wirklichen Nachteile. Und die Vorteile für die Gesamtheit der Gesellschaft (weniger Dreck, weniger Lärm) überwiegen meiner Meinung nach ganz klar.
Wenn ihr das anders seht, lasst uns in den Kommentaren diskutieren!

Und getreu dem Motto „Sharing is caring“: Greift das hier ruhig auf, teilt es kräftig und vielleicht erleben wir ja schon zum Jahreswechsel 2020/21 in der einen oder anderen Gemeinde diese Änderungen. Für 2019/20 wird das wahrscheinlich nicht mehr klappen.

Reader Comments

  1. Wenn ich noch um einen Punkt ergänzen dürfte, denn diesen halte ich für ebenfalls für sehr relevant:
    Jedes Jahr passieren durch unsachgemäße Verwendung, Alkoholeinfluss und, man muss es leider so sagen: absolute Dämlichkeit leichte bis schwere Unfälle. Die Folgen eines solchen Unfalles sehe ich beim Änderungsschneider neben unserem Laden: Er bekam Silvester vor 2 Jahren einen Knaller ins Gesicht geworfen, das Auge konnte zwar gerettet werden, aber mittlerweile hat seine Sehkraft so weit nachgelassen, dass er seinen Laden schließen muss…. und er hat, im Gegensatz zu vielen anderen noch Glück gehabt.
    Ebenso kommt es immer wieder zu Bränden durch Feuerwerkskörper und leider auch zu vielen anderen unschönen Folgen, bis hin zu schwerer Tierquälerei. Jeder sollte sich mal mit Feuerwehrleuten, Sanitätern und Mitarbeitern der Notaufnahmen unterhalten.

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