Ostwestfälische Hotdogs – Der Lipper, kulinarisch betrachtet

Die Ostwestfalen, und hier insbesondere die Lipper, sind ein ganz eigener schon beinahe rustikaler einfacher Menschenschlag.

Außenstehenden gelten sie meist als verschlossen und eigenbrötlerisch und dennoch sieht man sie oftmals in alle Welt ausziehen. Mal im Sinne eines Urlaubs, den sich der Lipper trotz seines geradezu epochalen Geizes gerne gönnt, und mal im Sinne der Auswanderung aus ihrem Fürstentum heraus.

Nun ist der Lipper in seiner Einfachheit auch sehr von den kulinarischen Ergebnissen der eigenen Kultur überzeugt und verwendet sehr gern Zutaten und Produkte, die in der eigenen Region heimisch sind, nicht sonderlich extravagant und damit kostspieliger sind und kocht nach dem Motto „Watt der Bauver nit kennt, datt fritt er nit“ (Was der Bauer nicht kennt, das (fr)isst er nicht).

Dennoch ist der Lipper neugierig und bringt gerne Ideen von seinen Reisen und aus den Erzählungen der Ausgewanderten an das heimische Herdfeuer und passt diese an seine Vorlieben für einfache günstige lokale Produkte an.

Aus eben diesem Bestreben ist dann auch der „Ostwestfälische Hotdog“ entstanden, den ich euch heute näher bringen will.

(Wer es bis jetzt nicht verstanden hat: Das hier wird ein Rezept-Post, bei dem ich meine eigene Heimat auch gleich ein wenig auf die Schippe nehme)

Betrachten wir zunächst den Ursprung des Hot Dogs. Im Widerspruch zum für westlich geprägtes Verständnis etwas absonderlichen Namen, werden hier nicht die besten Freunde des Menschen auf dem Teller landen. Der klassische Hot Dog ist ein Heißwürstchen in einem länglichen weichen Brötchen, das mit allerlei Saucen – zumeist Ketchup und Senf, und diversen verarbeiteten Gemüsen ergänzt wird. Dazu gehören geröstete Zwiebeln, eingelegte Gurken und auch exoten wie Chilis, Käse und ähnliches.

Dem Lipper ist schon das Brötchen suspekt. Ein längliches weiches Brioche ist für ihn kein Brötchen sondern eher etwas für den Frühstückstisch oder als Snack pur zwischendurch. Ein lippisches Brötchen ist ein einfaches „normales“ Weizenbrötchen und das wird sich auch nicht ändern. Um die Form einigermaßen nah an das Original zu bekommen, lässt sich der Lipper noch auf sogenannte Baguette-Brötchen ein, die mittlerweile durchaus gut in der Region zu bekommen sind.

Der Lipper mag es in seiner Küche durchaus herzhaft, sodass statt eines Heißwürstchen Geräuchertes zur Verwendung kommt. Überlieferungen zufolge waren die ersten Versuche mit Schinken von eher fragwürdigem Erfolg und es dauerte einige Zeit, bis der Lipper das sogenannte Mettendchen für seine kulinarische Adaption des amerikanischen Wurstbrötchens entdeckte. Je nach Größe des Mettendchens nach dem Braten – besonders wichtig, da sich der Geschmack dann erst entfaltet – landen dann ein bis zwei davon im aufgeschnittenen Baguette-Brötchen.

An Saucen ist im Fürstentum mittlerweile eigentlich auch an die interessantesten Exoten zu kommen. Die Alten jedoch beschränken sich auf die klassische Dreifaltigkeit aus Ketchup, Mayonaise und Senf – wobei die fettreiche Mayonaise aufgrund des eh schon hohen Fettanteils der Mettenden sich nicht empfiehlt.

Geröstete Zwiebeln, eingelegte Gurken, Käse und andere denkbare Hot Dog Extras sind dem Lipper zwar allesamt für sich betrachtet nicht fremd, aber er verwendet sie lieber für andere Gerichte als die Adaption eines solchen fremdländischen Humbugs. Es hat sich jedoch etabliert, dem Würstchen eine Decke aus Krautsalat, welcher auch an sich schon importiert ist aber in der lippischen Kultur mittlerweile recht gut verankert ist, zu geben. Kohl hat in der lippischen Küche seit je her einen festen Platz und das Einlegen ist für den Lipper wenig genug Aufwand, um es sich zu eigen zu machen.

Der Lipper hat sich damit eine ganz auf die persönlichen kulinarischen Vorlieben zurecht geschnittenen Variante der Hot Dogs geschaffen:

  • Ein einfaches längliches Brötchen, aufgeschnitten – am liebsten ofenwarm, darf auch Aufbackware sein
  • Ein Bett aus einfachem Tomatenketchup
  • 1 bis 2 gebratene geräucherte Mettenden
  • Krautsalat über die Würstchen
  • Senf obendrüber

Diese Abwandlung hat sich nun wieder vom Fürstentum aufgemacht in die Welt. Im Ruhrgebiet ist sie bereits angekommen und stellt eine schnelle, einfache und schmackhafte Alternative dar, wenn es eben mal nicht der klassische amerikanische Hot Dog oder die nackte Bratwurst im Brötchen sein soll.

Wohl bekomm’s!

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