Gemecker

Medien, Hektik, Meinungen, Fakten – Wenn Sauen durch Dörfer getrieben werden…

Nachrichten in „Sozialen Netzwerken“ und anderen digitalen Kanälen… Frust und Freude gleichermaßen.
Ein – zumindest im Ruhrgebiet – grauer Samstagvormittag ist die perfekte Zeit, sich da mal Gedanken zu machen.

Bevor wir in den Inhalt starten, ein kleiner Hinweis für alle, die über Facebook, Twitter oder sonst was hier her gelangt sind.
Ja, ich nutze selbst „Soziale Netzwerke“ und das auch mit einem gewissen Maß an Begeisterung.
Ja, dieser Post ist bei den Klassikern dieser Netze veröffentlicht.
Darum bilde ich mir auch ein, einigermaßen Ahnung von dem zu haben, was ich hier kritisiere.
Das ist wie beim Impfen, wo man auch eine Abwandlung dessen benutzt, wovor man sich schützen möchte, um sich davor zu schützen. (hatte ich erwähnt, dass ich Impfbefürworter bin? Ja…)
Und noch eine Bitte: Statt Kommentare bei Facebook oder Antworten auf den Tweet zu schreiben, nutzt bitte die Kommentarfunktion hier. Sorgt für mehr Überblick.

Also gut… wie angedeutet, geht es hier dieses Mal um „Soziale Netzwerke“ insgesamt und allgemein und das Verhalten vieler (!) in etwas konkreterer Hinsicht.
Warum schreibe ich eigentlich „Soziale Netzwerke“, also mit Anführungszeichen? Es geht hier nicht nur um ein oder zwei konkrete Plattformen – das hier ist schließlich rein technisch betrachtet auch eine solche – sondern um das Konzept dahinter. Ob die Ausprägung, die man nutzt, nun Facebook, Twitter oder Knackwurst heißt ist für das Konzept ziemlich egal.

Es geht um das Teilen von Inhalten, entweder selbst erstellt (ideal) oder von anderen (riskant), jeder Art. Ursprünglich sollte es immer nur um einen selbst gehen; das Teilen von Erinnerungen an Erlebnisse mit Freunden und Familie sei mir hier mal das Paradebeispiel. Doch wie es mit Medien nun mal ist, die Betreiber müssen Geld verdienen, damit der Dienst weiter läuft. Und das ist nicht erst seit den digitalen Medien so. Eine Zeitung muss gedruckt werden (Papier, Druckerschwärze, Betrieb der Maschinen); Radiosender brauchen ihre Sendetechnik, Fernsehsender noch bedeutend mehr.
Ach ja, die Inhalte… die kommen bei den klassischen Medien Zeitung, Radio, TV noch auf die Kosten oben drauf. In den „Sozialen Netzen“ sind wir Nutzer diejenigen, die die Masse der Inhalte produzieren (sollten).
Medien verdienen ihr Geld seit je her durch Werbung und da sind unsere „heißgeliebten“ Digitalen auch keine Ausnahme. Die klassischen hängen sich da gerne mit dran und veröffentlichen ihre Inhalte neben den eigenen Kanälen auch in den Digitalen. Dadurch kommen – so die Erwartung – mehr Leute auf die selbst betriebenen Plattformen, sehen die dort geschaltete Werbung und treiben damit die Einnahmen von Werbekunden für die Medien hoch. Meiner Meinung nach völlig legitim.

Solange das mit Maß und Bewusstsein betrieben wird macht das auch nichts. Das Problem ist die den Menschen innewohnende Gier und Sensationslust.
Bei den klassischen Medien resultiert das in der Denkweise „Wenn wir als erste über etwas berichten, kriegen wir die meisten Besucher auf unsere Website und damit die dicksten Werbeeinnahmen“. Wir als Nutzer werden also entsprechend geködert: Reißerische Überschriften, Anrisstexte, vielleicht auch unsere Sensationslust bedienende Bilder. Stichwort „Clickbait“, schon mal gelesen?
Diese Methoden funktionieren teilweise auch offline bei Printausgaben. Es gibt eine (nach Auflage) große Zeitung in der deutschen Medienlandschaft, die inhaltlich und dem Umfang nach eher dünn ist und dieses reißerische Konzept seit Jahrzehnten wirtschaftlich erfolgreich umsetzt. Der Inhalt beschränkt sich jedoch eher auf die Oberfläche anstatt auf tiefergehende Analysen und Berichterstattungen. Jeder kennt sie, viele lesen sie, ich nenne sie nicht mal beim Namen; stattdessen nur ein Zitat aus einem Songtext:

[…]

Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,

Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.

[…]

Die Ärzte – „Lasse redn“

Den Sportteil und die Werbung haben sie nicht erwähnt, aber beides trägt auch nicht unbedingt zur Meinungsbildung über tagesaktuelles Geschehen bei. Insofern braucht beides eigentlich keine Erwähnung, weder im Lied noch hier in meinem Kontext.

Nachdem nun die Zusammenhänge zwischen Clickbait, Sensationsgeilheit und Umsatzzahlen geklärt sind, stellt sich als nächstes die Frage, was das mit uns als Nutzern zu tun hat. Ich beschränke mich gleich auch gerne wieder auf „Soziale Netze“/ Digitalen.
Vor dem Aufkommen der Digitalen war es so, dass man abends die redaktionell aufbereiteten Nachrichten („Tagesschau“ oder „ZDF heute“) serviert bekam. Am nächsten Morgen gab es die Hintergründe, neueste Erkenntnisse und weitere Informationen dazu dann aus der Tageszeitung. Alles in allem war die Informationsvermittlung deutlich langsamer. Das war über Jahrzehnte so und nicht schlecht. Gehen wir ein paar Jahrhunderte zurück: Nachrichten verbreiteten sich in der Bevölkerung nur durch Reisende. Und Reisen waren beschwerlich und langwierig.

Ich gebe zu, dass ich froh darüber bin, Nachrichten heute schneller zu bekommen.
Aber schnell heißt eben auch nicht zwangsläufig gut. Das ist wie mit dem Verhältnis aus Qualität, Kosten und Aufwand/ Zeit. Man kann etwas in guter Qualität und schnell bekommen, zahlt dafür aber entsprechend mehr (was per se für viele schlecht ist). Oder man zahlt weniger und nimmt entweder Einbußen in Qualität oder Dauer in Kauf.
Es braucht ein Gleichgewicht dieser drei Aspekte. Dieses Gleichgewicht fällt für jeden Medienkonsumenten unterschiedlich aus. Um in diesem Bild des Dreiecks zu bleiben: Ich bin durchaus damit zufrieden, wenn ich am Folgetag eines Ereignisses eine fundierte Analyse lesen kann nachdem ich dafür gezahlt habe, dass die Journalisten vernünftige Arbeit gemacht haben. Kostenlos nehme ich diese Infos gerne erst nach 2 Tagen oder länger, je nachdem, wie viel Aufwand in die Berichterstattung fließt.

Und hier beginnt das große Problem der Digitalen.
Neuigkeiten werden schnellstmöglich und mit der Optimierung auf Reichweite, sprich „Teilbarkeit“, rausgepumpt. Ein Bericht über etwas, das vor 5 Minuten passiert ist, kann einfach keine umfassende Analyse bieten (außer, man wusste im Vorfeld, was passieren würde; das wird aber wohl niemand ernsthaft einem seriösen Journalisten unterstellen wollen, oder?). Die Masse dieser „Berichte“ sind dann also nur die Schlagzeile, ein Bild und ein Stapel Mutmaßungen. Diese Inhalte gehen in die „Sozialen Netze“, werden von der sensationsgeilen Masse geteilt; natürlich schön in der vorgefertigten reißerischen Form mit Bild und den ersten paar Sätzen. Die Mühe, wirklich reinzuschauen und zu lesen, macht sich kaum jemand. Man will die Neuigkeit schnellstmöglich weiter verbreiten, um selbst ein Stück vom Reichweitenkuchen zu bekommen und im eigenen Netzwerk etwas zu gelten. Auch das ist ein vielen Menschen innewohnender Trieb: sich gegenüber anderen zu profilieren.

Dieses blinde Nachplappern sehe ich aus zwei Gründen problematisch.
1. Es erfolgt keine Prüfung durch uns selbst, wie es um die Sachlichkeit, Richtigkeit, Neutralität etc der Nachricht bestellt ist.
2. Sobald das Thema „abkühlt“ und das nächste Ding rauskommt, wird nicht mehr nachgehakt.

Es gibt für beides Lösungen.
Die oberste Regel sollte, wie bei vielem, sein: „Ruhe bewahren!“
Nicht alles, was am metaphorischen anderen Ende der Welt passiert, hat Auswirkungen auf unser Leben. Das ist der Sack Reis in China oder der mexikanische Kaktus aus den entsprechenden Sprichwörtern.
Die Sache mit der Prüfung – Nr. 1 im vorigen Absatz – lässt sich damit schon gut abdecken. Einfach mal hingehen, die verteilte Information wirklich lesen und auch andere Quellen versuchen anzuzapfen. Keine Nachrichtenseite berichtet exklusiv über etwas, dem vorher zerpflückten Wettbewerb sei Dank.
Hat man dann aus verschiedenen Richtungen die Berichterstattungen zusammen, kann man die Fakten recht leicht rausfiltern. Was in allen Meldungen gleich ist, hat das höchste Realitätspotential. Einfache Schnittmenge, fertig…
Das gleiche gilt für Meinungen – in klassischen Medien unter den Namen „Kommentar“, „Editorial“, „Kolumne“ oder für etwas ironischere Inhalte auch mal „Glosse“ bekannt. Diese als Fakten zu übernehmen und zu verbreiten ist schon beinahe gefährlich. Da gibt es keine Fakten, vielleicht noch ein auslösendes Ereignis. Eigentlich sollten solche Inhaltsarten auch entsprechend gekennzeichnet sein; das erfolgt leider nicht immer und erfordert obendrein auch noch die Beschäftigung mit dem Inhalt, wie auch die Bildung der „Fakten-Schnittmenge“ bei den Neuigkeiten.
Dabei ist das heute dank der Digitalen so einfach. Es gibt im Internet jede Menge News-Sammler, allen voran Google News. Wenn man es dann noch schafft, auf das Veröffentlichungsdatum zu achten und nicht ein Thema von vor dem Kartoffelkrieg oder kurz nach Erfindung des Rades als brandaktuell ansieht, ist man schon verdammt weit vorne.
Für den Faktencheck gibt es mittlerweile auch sehr gute Hilfestellungen im Netz (Mimikama sei hier mal als Beispiel genannt, wenn ich schon mit „Sozialen Netzen“ einsteige).

Nummer 2 wird uns nicht immer leicht gemacht, zugegeben.
Aber wenn einem ein Thema wichtig genug ist, Nachrichten darüber zu teilen, sollte man meiner Meinung nach auch den Aufwand betreiben können, sich weiter über das Thema und dazu gehörende Neuigkeiten auf dem aktuellen Stand zu halten.
Das ist für viele natürlich lästig, verständlicherweise. Aber, Leute, ihr übernehmt mit dem Weiterverbreiten eine gewisse Verantwortung. Werdet dieser gerecht und helft anderen, die sich auf euch verlassen. Oder seid ihr wirklich so unselbständig, dass ihr einfach nur Nachplappern könnt?

Wir alle sehen uns als aufgeklärte Bürger. Wir alle haben die Möglichkeiten, uns Informationen zu beschaffen. Es ist leichter als je zuvor, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu überprüfen.
Diese Möglichkeiten sollten wir nutzen. Und das vorbehaltsfrei. Auch eine kleine Nischenwebsite kann korrekte Informationen haben. Wir müssen uns alle nur die Arbeit machen, uns WIRKLICH mit etwas zu beschäftigen.

NachDENKEN statt Nachplappern… wenn ihr etwas mit ins Wochenende nehmt, dann bitte das.

Durchgehalten? Super, danke… Reaktionen, wie oben geschrieben, bitte hier in die Kommentare.
Achtung: Kommentare werden von mir gelesen bevor sie erscheinen. Da ich diese Seite betreibe, bin ich auch dafür verantwortlich, dass der Umgang hier vernünftig bleibt.

Gemecker

Gesetzliche Impfpflicht

Es war vorhin mal wieder soweit… Mir ist das Meinungsfass übergelaufen.
Der folgende Text stammt aus meiner eigenen Facebook-Chronik und kommt jetzt noch zusätzlich hier hin, damit ich ihn irgendwann mal wieder finden kann. (Den Facebook-Rant erspare ich uns…)

Es geht um Impfgegner-Eltern und die am Wochenende durch die Medien getriebene Idee einer gesetzlichen Impfpflicht.
Ich würde darum bitten, nach Möglichkeit die Diskussion zu Facebook zu verlagern, damit ich nicht dort und hier die Kommentare überblicken muss und dann letztlich nur einzelne Fäden durcheinander bringe. Ich lasse die Kommentarfunktion aber offen für alle, die keinen Account beim „blauen Riesen“ haben.

Sinn und Unsinn

Sinn und Unsinn und Riesenmonitore

Bei Monitoren scheint es in bestimmten Kreisen seit einiger Zeit einen Trend zum Dritt- oder sogar Viertmonitor in Form eines Fernsehers (40 Zoll Diagonale oder noch mehr) zu geben. Dieser wird dann auch gerne noch prominent über dem Schreibtisch und den den anderen Monitoren platziert.

Ich kann mich selbst zwar auch nicht von diesem Hang zu mehreren Monitoren freisprechen (3 Stück), aber vier?! Das ist etwas arg viel für mein Empfinden. Warum? Einfach weiterlesen…

Dienstreisetips

Was muss unbedingt mit? Teil 01 – Mehrfachsteckdose

Dienstreisen bieten, egal wie lang sie gehen, mehr als genug Potential für Verbesserungen und leider auch nahezu katastrophale Fehlschläge. Das reicht vom einfachen Vergessen von Sachen bis hin zur spontanen Frage, wo man die Nacht verbringen soll.
Diese Reihe widmet sich den Dingen, die man gerne mal übersieht oder die einem das Leben on Tour angenehmer und leichter machen.